Die Jupiter-Pluto Konjunktion 2020: Licht und Schatten

Wie andere AstrologInnen auch, werde ich immer wieder gefragt, ob ich denn diese Pandemie vorausgesehen hätte. Und wenn ich dies verneine und darauf hinweise, dass ich auch in der astrologisch literarischen Fachwelt keinen Hinweis auf dieses konkrete  Zukunftsereignis  vorgefunden hatte, ist das für viele ein Beweis für die Untauglichkeit astrologischer Prognostik. Also ja doch keine Wissenschaft!

Abgesehen davon, wie deutlich gerade jetzt sichtbar an‘s Tageslicht kommt (Pluto zwingt das Licht auf den Schatten), wie wenig treffsicher und wie divergierend WissenschafterInnen in der ganzen Welt das Virus und dessen Auswirkungen beurteilen, beweist eben genau das aktuelle Geschehen die Richtigkeit der Astrologie als uraltes Erfahrungswissen: Bestimmte planetarische Konstellationen  zeigen die Qualität der Zeit an und daraus folgernd auf der individuellen und kollektiven Ebene Themen, die auf uns warten und die uns mehr oder weniger heftig und vielfach auch schmerzhaft  auffordern, uns weiter zu entwickeln, umzukehren, neu zu denken, Werte und Sinn neu zu definieren, Gewohntes zu reflektieren….

So also konnte ich wie alle AstrologInnen schon seit langem  darauf hinweisen, 2020 würde ein Wendejahr sein. Ein Jahr, in dem 3 neue Zyklen (Saturn-Pluto, Jupiter-Pluto und Jupiter-Saturn) mit insgesamt 4 Konjunktionen der beteiligten Planeten beginnen, ist ein klarer Hinweis auf eine notwendige kollektive  Neuausrichtung bezogen auf die archetypische Thematik der beteiligten Planeten. So wie ich in der persönlichen astrologischen Beratung nicht mit Gewissheit vorhersagen kann, welches Ereignis das anstehende Thema hochschwemmen wird, so hätte uns wohl auch weltweit ein anderes Ereignis mit der aktuellen Zeitqualität und den dahinter stehenden krisenhaften Herausforderungen und Botschaften konfrontieren können. Wir kennen also nicht das konkrete Ereignis, aber wir können die Botschaft dahinter deuten und uns rechtzeitig überlegen, welche persönlichen Ressourcen wir haben, um mit der dahinter stehenden Aufforderung  umzugehen. Und wir dürfen darauf vertrauen: Wir sind nicht ohnmächtig ausgeliefert. Wir haben Gestaltungskraft in der Art, wie wir denken, fühlen und letztlich auch handeln. Unser freier Wille ist keine Fiktion. Und das astrologische  Verstehen der Zusammenhänge kann uns dabei unterstützen, diesen auch konstruktiv und bewusst einzusetzen.

Was also hat uns der am 12.11.2020 zu Ende gehende Jupiter-Pluto-Zyklus mit seinen 3 Konjunktionen im Steinbock (5.4. und 30.6. und 12.11.) zu sagen?

Jupiter steht archetypisch für Überzeugungen, Begeisterung und Begeisterungsfähigkeit, Hoffnung, Ideale, Wachstum, Übertreibung, Fülle, Optimismus, Gerechtigkeit, Reisen, Weltanschauung, missionarischen Eifer….

Pluto steht für Macht und Ohnmacht, Werden und Vergehen, Transformation, Verlust, Ideologie und Dogmen, geistige Werte, Alles oder Nichts, Schattenbereiche und den Schatten heben, Druck und Manipulation, Krise, Grenzerfahrungen, Schuld und Schulden, geistige Werte…….

Hier eine kleine Auswahl an Beispielen der Themenmanifestation:

Jupiter-Thema Ideale / Pluto -Thema Macht und Druck (siehe auch Artikel zu Saturn-Pluto):

Was zu Beginn der Krise nur als wachsame Ahnung und vorsichtige Warnung da war, wird jetzt für immer mehr Menschen deutlich: Der „Schutz“ unser aller „Gesundheit“ führt weltweit zu restriktiven Maßnahmen, die unsere Grundrechte einschränken, die die demokratische Verfassung aushebeln und die uns zu unhinterfragtem Gehorsam unter Androhung von Druck und Strafen zwingen wollen. Unsere Ideale (Jupiter) von Freiheit, Selbstbestimmung, Mündigkeit, Rechtsstaatlichkeit werden unter dem Druck (Pluto) der Gefährdung durch das Virus auf die Probe gestellt. Und es liegt an den Regierenden ebenso wie uns allen, sich erstens kritisch die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen zu stellen und zweitens eine dauerhafte Gefährdung unserer demokratischen Grundhaltung und Grundregeln abzuwehren.

Für uns alle  geht es also um die Frage: Beugen wir uns unhinterfragt der Macht (Pluto), die durch Panik erzeugt wird und opfern wir bedenkenlos unsere rechtstaatlichen Ideale und unsere Würde (Jupiter) am Altar der tatsächlichen oder vermeintlichen Sicherheit?

Oder sind wir bereit, auch unter Druck laut und deutlich jeglicher Manipulation zu widerstehen? Die Demokratie braucht Menschen, die ihr die Treue halten.

Jupiter-Thema missionarischer Überzeugungseifer / Pluto-Thema Druck und Manipulation:

Wir dürfen durchaus mit Sorge beobachten, wie uns Corona dazu verleitet, mit einer geradezu kreuzritterhaften Überzeugung das verbale  Schwert gegen die zu erheben, die auf der jeweils anderen Überzeugungsseite stehen.

Da werden die Ängstlichen der Dummheit geziehen, die kritisch Nachdenklichen als Gefährder bezeichnet und all jene, die gesellschaftliche Zusammenhänge und Absichten ergründen und interpretieren, pauschal als Verschwörungstheoretiker diffamiert.

Und beinahe alle ExpertInnen und die PolitikerInnen verkünden (Jupiter als Prediger) uns ihre Theorien als absolute Wahrheiten. (Pluto kennt eben nur „Schwarz oder Weiß“).

Und wer also meint, im Besitz der Wahrheit zu sein, kann getrost auf alles verzichten, was der Wahrhaftigkeit als Versuch der Annäherung an die Wahrheit dienen würde:  Auf exakte Vergleichszahlen, auf evidenzbasierte Argumente für das eigene Handeln und Entscheiden. Verzichten darauf, zuzugeben, dass wir leider noch viel zu wenig wissen. Und so also gab es vor allem zu Beginn des Lock Downs keinerlei  transparenten öffentlichen Diskurs über den richtigen Weg.

Die Frage, was die rigiden Einschränkungen auf der Ebene der psychischen Gesundheit mit uns allen, vor allem mit den Kindern, den Familien und insbesondere mit den Frauen, mit den Alten und den Einsamen machen und welche langfristigen Folgen diese nach sich ziehen, hatte keinen Platz. Gesund sein und gesund bleiben hieß, nur ja nicht an diesem Virus zu erkranken. Und damit ich nicht falsch verstanden werde, ich weiß auch nicht, ob wir in Österreich ohne diese so heftigen Zwangsmaßnahmen die angekündigten 100.000 Toten gehabt hätten, und ich kann daher auch nicht wirklich beurteilen, welcher der unterschiedlichen ExpertInnenzugänge nun der richtige ist. Aber jedenfalls schien mir ein großer Teil unserer Gesellschaft von einem missionarischen Überzeugungseifer erfasst, der dich heute noch in bösartigen Blicken und Kommentaren erfasst, wenn du deine Maske nicht hoch oder eng genug trägst.

Jupiter-Thema  Erkenntnisse  / Pluto-Thema  Licht auf den Schatten werfen:

Plutonische Energie ist unbarmherzig. Gnadenlos zwingt sie uns, in die Abgründe unserer individuellen und kollektiven Seele zu schauen und zu wandeln, was zu wandeln ist. Verweigern wir uns dieser Wandlung durch Verdrängung, entreißt uns Pluto immer wieder Liebgewonnenes, um Neues entstehen zu lassen.

Und weil Pluto archetypisch für geistige Werte steht, fordert uns diese Krise wohl zu einer neuen geistigen Bewusstheit heraus.

An deren Beginn lenkt Pluto den Blick auf die durch Corona deutlich gemachten  Wunden unserer Gesellschaft. Ob wir sie heilen wollen, wird sich in der Beantwortung einiger der folgenden Frage erweisen:

  • Wollen wir weiterhin Korruption und Lüge als Kavaliersdelikt akzeptieren? So nach dem häufig verwendeten Argument: “Na ja, lügen ja eh alle PolitikerInnen“? Oder definieren wir ethisch und moralisch einwandfreies Handeln als unerlässliche politische Tugend?
  • Wollen wir uns weiterhin von NLP gesteuerten und eingelernten Rhetorikinstrumenten blenden lassen, oder nehmen wir uns die Mühe den Dingen auf den Grund zu gehen?
  • Wollen wir weiterhin an nationalen Überheblichkeiten und Konkurrenzierungen („Niemand hat die Krise so gut gelöst wie wir“!) festhalten oder verstehen wir endlich die grenzüberschreitende Botschaft von Covid-19, die da lautet: „Wir sind eine Welt“?
  • Wollen wir weiterhin zulassen, dass die Menschen, die tatsächlich überlebenswichtig für uns alle sind, am wenigsten bezahlt kriegen?
  • Wollen wir weiterhin wegschauen von den vielfältigen Formen der Ausbeutung (Erntehelfer, ausländische PflegerInnen, Leiharbeitskräfte…)?
  • Wollen wir weiterhin die ungleichen Bildungschancen für Kinder, die sich aus familiärer Armut ergeben, in Kauf nehmen oder sind wir endlich bereit über ein Sozial– und Bildungssystem nachzudenken, das Lebenschancen gleichmäßig verteilt?
  • Und nicht zuletzt ohne Anspruch auf Vollständigkeit der Beispiele: Sind wir nach den Bildern aus Italien, Spanien und England immer noch bereit, dem neoliberalen Mythos vom schlanken Staat, der schon alles regelt, Glauben zu schenken?

Nein, ich glaube nicht daran, dass wir jetzt alle mit einem neuen Bewusstsein gewandelt aus dieser Krise hervorgehen. Aber ich will nicht aufhören, daran zu glauben, dass menschlicher Fortschritt möglich ist. Er beginnt immer im Kopf und im Herzen, und dann gilt es, mutig die richtigen Schritte zu tun. Mal größere, mal wieder kleinere. Wir haben ja gute Wegweiser!